Rundbrief 19

Moshi 30. August 2021

Hallo aus Moshi,

Nach einer 30stündigen Reise mit einigen Hindernissen, zwei PCR Tests und einem Antigen Test bin ich am 17. August wohlbehalten in Moshi angekommen.

In Bonite bin ich aufs allerherzlichste empfangen worden, mit wunderschönen, selbstgestalteten Plakaten. Alle Strapazen der  Reise waren verflogen,

und ich war wieder zu Hause.

Die folgenden Tage waren wir von morgens bis abends beschäftigt, es gab viel zu besprechen und zu organisieren.

Während meiner Abwesenheit lief alles wie geplant weiter, über Whats App stand ich mit Emmy und Angelica in regelmäßigem Kontakt.

Der Unterricht, praktisch ( Nähen und Kochen ) und theoretisch ( Englisch und Fortbildungen ) fand regelmäßig statt.

Lucy und Mary haben das Projekt verlassen. Mary hat geheiratet, (ich berichtete) und sie sagte uns, dass ihr Mann nicht möchte,

dass sie weiter zu uns kommt. Sie ist mittlerweile wieder schwanger.

Bei Lucy wissen wir, dass sie ebenfalls wieder schwanger war, ihre Mutter möchte nicht, dass sie weiter zu uns kommt, da sie arbeiten gehen soll

um Geld zu verdienen. Die Familie ist umgezogen, sodass auch Winnie nicht mehr in den Kindergarten gehen kann, da die Entfernung zu groß ist.

Ich finde es sehr traurig und Schade, dass sie nicht mehr kommen, da Lucy sehr gut genäht hat und schnelle Fortschritte gemacht hat.

Zwei neue junge Frauen sind zu uns gekommen:

Linnah (18) mit ihrem Sohn Holypray (1J.4M.), Linnah kam ca. 5 Wochen ( im Juni ) dann hat sie das Projekt wieder verlassen.

In der letzten Woche kam sie wieder zurück. Nach langen Überlegungen und Gesprächen haben wir beschlossen, sie nicht wieder aufzunehmen.

Wir werden uns um Holypray, ihren kleinen Sohn kümmern, er ist seit der Geburt behindert und braucht spezielle Behandlungen und Therapien.

Darüber sind wir mit der Kirche in Kontakt, sie werden uns helfen, angemessene Hilfe für ihn zu bekommen. Linnah werden wir in die Obhut der

Ordensschwestern geben, da sie ebenfalls besonders ist und wir der Meinung sind, dass sie besondere Betreuung und Erziehung benötigt.

Grace (18) mit ihrem Sohn Prince ( 8 Monate ) kommt von sehr weit . Sie hat von uns gehört und ist dafür extra in die Nähe von Moshi gezogen.

Auch sie wohnt bei einer Krankenschwester.

Sie nimmt täglich 2 Stunden Fahrt in Kauf, um zu uns zu kommen.

Da sie ein Jahr vor dem Ende ihres Realschulabschlusses schwanger wurde, planen wir, sie ab Januar 2022 wieder in die Schule zu schicken,

sodass sie ihren Abschluß machen kann.

Sie ist eine sehr stille und zurückhaltende junge Frau.

Seit Anfang Juli bieten wir täglich eine warme Mahlzeit für die Frauen und Kinder an.

Lilly und Judith kochen im Wechsel. Da sie seit langer Zeit eine wöchentliche finanzielle Unterstützung von uns erhalten, war unser Gedanke,

ihnen diesen kleinen Job zu geben, sodass sie sich ihr Geld verdienen. Dieses gibt ihnen immer noch genug Zeit, um zu nähen und zusätzlich

Geld zu verdienen.

Weiterhin haben wir mit ihnen besprochen, dass sie ab jetzt versuchen auf eigenen Füßen zu stehen. Das heißt,

sie bezahlen ihre Miete mit Strom und bestreiten ihr Leben. Sie bekommen jeder eine Nähmaschine gestellt,

die aber im Besitz von Family of Good Hope bleibt. Wir begleiten sie selbstverständlich weiterhin und sie nehmen regelmäßig an den Schulungen teil.

Shafi, Judiths erstgeborener Sohn hat eine Lernschwäche. Er würde 2023 im Januar eingeschult werden und müßte dringend gefördert werden.

Wir möchten ihn ab Januar 2022 in einen privaten Kindergarten geben, wo eine ihm angemessene Förderung möglich wäre. Wir sind im Gespräch.

Agnes mit ihrer kleinen Tochter Harriet geht es gut. Sie kommen regelmäßig ins Projekthaus.

Auch sie wird ab Januar wieder in eine Schule gehen, um ihren Abschluß zu machen. 

Hawa und ihrer kleinen Tochter Neyfat geht es ebenfalls gut. Auch Hawa macht große Fortschritte, sie kommt regelmäßig und pünktlich und hat wieder

angefangen zu nähen, mit kleinen Erfolgen! Das macht uns stolz und zeigt uns, dass Zeit und Geduld immer wieder wichtig sind!

Neyfat macht das Projekthaus unsicher, sie krabbelt und ist flink wie ein Wiesel! Den langen Weg bis zum Gate hat sie auch schon erkundet…!

Ester wird in der kommenden Woche wieder zu uns kommen, ich berichtete dass sie mit Dennis zu ihren Eltern gefahren war.

Sie kann ihren Kurs (kleine Ausbildung) im Haare flechten und Frisuren machen beginnen. Sie kann bei Verwandten wohnen. 

Miriam ( Tochter von Baba Dhula ) werden wir im Januar auf das Internat in Machame umschulen, in dem ihr kleiner Bruder Cassim ist.

Miriam braucht dringend Förderung, da sie im Unterricht immer noch nicht gut mitkommt. Wir hoffen, dass sie in Machame besser begleitet werden kann.

Cassim macht sehr große Fortschritte in der Schule. Er hat sehr gute Noten und versteht und spricht schon Englisch. Ihm geht es gesundheitlich besser,

aber er leidet immer noch an Tuberkulose und ihm fehlen noch mind. 6 kg an Gewicht. Wir sind so stolz auf diesen kleinen „Mann“. 

Magreth und Rose geht es ebenfalls gut. Sie werden beide im September nach Moshi kommen, da Ferien sind.

Auch Karen geht es gut. 

Die Zwillinge Doren und Dorina machen ebenfalls große Fortschritte bes. In Englisch. Sie verstehen, sprechen und singen in Englisch.

Und… ich habe Elisa getroffen. Vielleicht erinnert ihr euch, sie hat im YMCA eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht.

Sie hat mittlerweile eine Arbeit als Servicekraft in einem Hotel in Moshi

gefunden. Uns das in dieser schwierigen Zeit!!

Zum Abschluß möchte ich euch Jennifer (36) vorstellen.

Ihre Geschichte hat uns sehr berührt, daher haben wir entschieden, dieser jungen Frau mit ihrem Sohn und ihrer Nichte zu helfen.

Jennifer hatte vor ungefähr 10 Jahren einen Unfall sie ist seitdem querschnitt gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

Nach dem Unfall verließ ihr Ehemann sie und gab die gemeinsamen Kinder (damals 5 und 6 Jahre alt ) in Obhut seiner Mutter.

Jennifer hat ihre Kinder seitdem nicht mehr gesehen.

Sie mußte alleine zurecht kommen. Vor 5 Jahren wurde sie vergewaltigt und hat jetzt einen kleinen Sohn, Prince (4). Ihr täglich Brot erbettelte

sie sich in den Straßen, dort wurde ein junger Mann, Laurence, ebenfalls querschnitt gelähmt auf sie aufmerksam. Er sprach sie an

und damit entwickelte sich eine Freundschaft. Als Jennifer ihr kleines  Zimmer gekündigt wurde, bat Laurence seine Mutter,

eine Krankenschwester im Ruhestand, Jennifer bei sich aufzunehmen. Seitdem wohnt sie mit ihrem Sohn und ihrer Nichte bei dieser Familie.

Jennifer hat einen Blasenkatheter liegen, den sie alle 14 Tage selbst wechselt. Wir werden sie regelmäßig mit Kathetern und Beuteln versorgen.

Seit langer Zeit hat sie einen Dekubitus am Steiß, der regelmäßig von der Krankenschwester versorgt wird. Wir haben einen Arzt kommen lassen,

um sich diesen einmal anzusehen. Was wir nicht wußten, arbeitet dieser Arzt mit Homöopathie… darüber war ich so erfreut, dass wir entschieden haben,

Jennifer homöopathisch behandeln zu lassen. Die ersten Erfolge sind deutlich zu sehen, die Wunde wird immer kleiner. Wir möchten Jennifer die Möglichkeit

geben, etwas zu erlernen womit sie Geld verdienen kann. Wir haben sie gebeten, sich darüber Gedanken zu machen. Kerzen ziehen war ein Vorschlag von uns.

Wir besuchen Jennifer regelmäßig und unterstützen sie.

Ihrem kleinen Sohn möchten wir zu gegebener Zeit eine gute Schulbildung ermöglichen, sodass er einmal für seine Mutter sorgen kann.

Wir möchten unseren Schwerpunkt mehr auf gute Ausbildungen legen. D.h. Kindern (in erster Linie Mädchen ) und jungen Frauen die Möglichkeit geben,

eine gute Schule zu besuchen und/oder eine Ausbildung zu machen.

Durch Covid – 19 ist es sehr schwer, mit einem kleinen Business ( Geschäft) Geld zu verdienen.

Jeder versucht durch den Verkauf von irgend etwas, Geld zu bekommen. Die Menschen haben kein Geld und daher wird auch nicht viel verkauft.

Die Not ist groß und ich habe das Gefühl, sie wird immer größer! Der Tourismus läuft schlecht, die Reise – und Safariveranstalter,

Restaurants und Hotels haben keine Kunden.

In der Stadt wird man als „Weiße(r)“ noch häufiger angesprochen bis hin zu Belästigungen etwas zu kaufen oder Geld zu geben.

Es ist nicht leicht! Man kann die Menschen verstehen, sie bekommen keinerlei Unterstützung und wissen nicht, wie sie ihre Familien ernähren können.

Mit herzlichen, sonnigen Grüßen aus Moshi und Danke für Eure Anteilnahme, Euer Interesse und Eure Unterstützung,

Monika

Rundbrief 19

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